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"Mit
brennder Geduld" oder "Nerudas
Postmann"
Von Antonio Skarmeta
Ein
Stück über Freundschaft
und Liebe, über Poesie
und Leidenschaft, über
Freiheit und Politik
Regie:
Ali Jalaly
Mit:
Josef Tratnik (Pablo Neruda)
Adam Hildenberg (Mario Jimenez)
Marion Mainka (Witwe Rosa Gonzalez)
Dunja Dogmani (Beatriz Gonzalez)
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Politische
Poesie als Mahnmal - ein anderer
11. September
Ali
Jalaly inszeniert "Mit
brennender Geduld" oder:
" Nerudas Postmann"
zur Erinnerung
an den Putsch in Chile vor 35
Jahren
Dass politisch
engagiertes Theater und eine
poetische Darstellungsweise
sich nicht gegenseitig ausschließen,
sondern sich im Gegenteil sogar
stärken können, davon
ist Ali Jalaly mit seiner neusten
Inszenierung "Mit brennender
Geduld oder: Nerudas Postmann"
von Antonio Skármeta
überzeugt. Nicht zuletzt
die Auseinandersetzung eines
in Deutschland lebenden Schriftstellers
mit der Erinnerung an sein Land
und sein Volk reizt Jalaly vor
dem Hintergrund seiner eigenen
Biografie insbesondere, sich
mit diesem Stoff zu beschäftigen.
Das Stück
spielt zwischen 1969 und 1973
in einem kleinen Ort an der
chilenischen Küste und
schildert sehr realistisch und
detailliert die politische Wirklichkeit
der Zeit.
Sowohl die Gefühlswelt
Nerudas, der sich noch als Mann
von über 60 Jahren für
die emotionalen Nöte eines
Briefträgers interessiert,
sich als Präsidentschafts-
kandidat aufstellen lässt
und dann als Botschafter seines
Landes nach Paris geht, als
auch die Gefühle Marios,
der als Verliebter sprachlos
wird und später selbst
zu dichten beginnt, werden in
einfachen, eindringlichen Worten
erzählt. Der Stil wechselt
zwischen humorvoll-umgangssprachlichem
Volkston und poetisch-symbolischen
Überhöhungen.
Als aus Paris ein langer Tonbandbrief
mit der Bitte von Neruda kommt,
für
ihn die geliebten heimatlichen
Töne einzufangen: das Wehen
des Windes, das Geläute
der Glocken vor seinem Haus
und das Geräusch des Meeres,
erfüllt Mario diesen Wunsch
und fügt das Schreien seines
Babys hinzu.
Über
Chile ziehen dunkle Wolken auf.
Allende wird ermordet, Neruda
kehrt schwer krank zurück.
Der Sterbende wird in seinem
Haus vom Militär bewacht.
Auch Mario wird aus dem Glück
seiner jungen Ehe herausgerissen
und verhaftet.
Mit seinem
Stück "Mit brennender
Geduld oder Nerudas Postmann"
hat Antonio
Skármeta dem Schwung
und der Stimmung des Jahres
1970 - kurz vor der Wahl. Allendes
zum Präsidenten Chiles
- ein wunderbares Denkmal gesetzt.
"Es
ist die schönste Liebesgeschichte
der Welt", urteilt
die SZ über den gleichnamigen
Roman des Autors. Es ist "eine
Hommage an den berühmtesten
chilenischen Dichter, Pablo
Neruda, und an das einfache
Volk Chiles, das auch unter
schweren Bedingungen ein sinnfrohes
Leben zu führen vermag.
Ein
Stück über Freundschaft
und Liebe, über Poesie
und Leidenschaft, über
Freiheit und Politik".
Zweimal wurde der Stoff, zuletzt
mit Philippe Noiret und Massimo
Troisi, eindrucksvoll verfilmt.
Ein anderer,
noch blutigerer 11. September.
Am 11. September
1973 putschte das Militär
in Chile. Der drei Jahre zuvor
demokratisch gewählte sozialistische
Präsident Salvador Allende
kam unter ungeklärten Umständen
zu Tode, nachdem die Luftwaffe
begonnen hatte, den Präsidentenpalast
La Moneda zu bombardieren. Eine
Militärjunta unter der
Führung von Augusto Pinochet
regierte Chile daraufhin bis
zum 11. März 1990 als Diktatur.
Der Putsch wurde von den USA
politisch und finanziell unterstützt
und war ein zentrales Ereignis
im Kalten Krieg, mit ähnlich
symbolhafter Bedeutung wie die
Revolution in Kuba.
Das Fußballstadion
von Santiago: hunderte echter
oder vermeintlicher Allende-Anhänger
sterben im Kugelhagel. Das Stadion
wird zum Folterzentrum, zum
Konzentrationslager. Im ganzen
Land - auf Straßen, in
den Militärgefängnissen
- ermorden die Truppen Pinochets
während der ersten Monate
nach dem Putsch 20 000 Menschen,
60 000 werden gefoltert, 1 Millionen
Chilenen werden ins Exil getrieben.
Es war "der blutigste Coup
in der Geschichte Lateinamerikas".
Laut
Berichten von Amnesty International
wurden alleine im ersten Jahr
der Diktatur bis zu 30.000 Menschen
getötet.
Zur
Erinnerung an den chilenischen
Putsch vor 35 Jahre am 11. September
1973 bringen wir dieses Stück
nun am 04.09.2008 zur Premiere.
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Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2008 |
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PRESSESTIMMEN: |
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Kölner-Stadt-Anzeiger, 05.09.08 |
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Erinnerung an vergangenes Glück |
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Ali Jalaly inszeniert "Mit brennender Geduld oder Nerudas Postmann" im Kölner Severins Burg Theater. In seiner Bearbeitung des Skármeta-Romans bringt der Regisseur mit Fischernetzen und Sand chilenischen Charme auf die Bühne.
Zuerst ging die bittersüße Geschichte „Mit brennender Geduld oder Nerudas Postmann“ von Antonio Skármeta als Roman um die Welt: Auf einer kleinen chilenischen Insel bittet Mario, Postbote für Pablo Neruda, den großen Lyriker um Hilfe. Er hat sich verliebt - und ihm fehlen die Worte. Der Dichter öffnet dem jungen Mann Ohren und Sinn für Sprache und Poesie. Gegen eine derart befeuerte Leidenschaft kommt nicht einmal die strenge Mutter der Auserwählten an.
Die Zukunft erscheint verheißungsvoll: Ein neuer Präsident fürs Land, Literaturnobelpreis und politische Verantwortung für den Dichter, Familiengründung für Mario. Selbst die Brautmutter ist positiv gestimmt. Dann jedoch die Wende. Die Regierung wird gestürzt, Neruda ist todkrank, Mario gerät in die Fänge der neuen Gewaltherrschaft. Nur die Erinnerung bleibt an vergangenes Glück, an die Kraft der Poesie. Komik, Tragik und lyrische Qualitäten der Vorlage fängt Regisseur Ali Jalaly in seiner Bearbeitung des Skármeta-Romans im Kölner Severins Burg Theater ebenso ein wie die Verflechtung von Politik und Privatem.
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Moment des Innehaltens |
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Das beginnt mit einer Bühne (Ali Jalaly und Georg Slobodzian), die mit Fischernetzen und Sand auf kleinstem Raum eine chilenische Kneipe herbeizaubert und mit Tisch und Stuhl die Gegenwelt des Intellektuellen Neruda etabliert, geht weiter mit einer atmosphärischen Musikauswahl und kommt vor allem durch ein hervorragendes Ensemble zum Tragen. Josef Tratnik als verschmitzt-ironischer Neruda ist ein Meister des funkelnden Dialogs und gönnt sich einen Rest Unnahbarkeit. Zum Publikumsliebling wird Marion Mainka in einer herrlich ambivalenten Rolle als strenge Tugendwächterin. Regisseur Jalaly will mit der Aufführung die Erinnerung an den 11. September 1973 wachhalten, an dem der demokratisch gewählte Präsident Chiles, Salvador Allende, ermordet und das Land in eine Diktatur gestürzt wurde. Womit ließe sich ein Moment des Innehaltens, Bedauerns und der Neuorientierens besser einfordern als mit diesem gelungenen Theaterabend? Begeisterter Premierenapplaus.
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Von Susanne Finken |
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Kölnische Rundschau vom 6./7.09.2008
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Was empfindet man, wenn man einen Liebesbrief bekommt?“, fragt der Postbote Don Pablo, dem er täglich die „VerehrerInnen-Briefe“ zustellt. Denn der berühmte Dichter Pablo Neruda ist sein einziger Kunde in dem kleinen Fischerdorf an der chilenischen Küste.
Neruda, genervt von soviel Aufdringlichkeit, zieht sich erst einmal zurück, um mit einem 'Aspirin-Omelett' der Neugierde zu trotzen. Doch dann findet er allmählich Gefallen an dem jungen Mario, der begierig die poetischen Metaphern des Meisters aufsaugt, um sie dann am lebenden Objekt auszuprobieren. Marios Opfer ist die wunderschöne Tochter der verwitweten Kneipenwirtin Rosa. Während seine geklauten Verse Beatrize dahinschmelzen lassen, wird ihre besorgte Mutter beim Dichter vorstellig, um „Schlimmeres“ zu verhindern.
Doch dann überstürzen sich die Ereignisse: Beatrize wird schwanger, der Dichter Präsidentschaftskandidat.
Doch Neruda verzichtet zugunsten Allendes, geht als Botschafter nach Paris und erhält den Literatur-Nobel-preis. Inzwischen haben die Putschisten das Land übernommen, und Mario wird verhaftet...
Der iranisch-stämmige Re-gisseur Ali Jalaly, der seit fast 30 Jahren hierzulande Theater macht, hat die vom Autor Antonio Skarmeta selbst („Mit brennender Geduld“) und dann von Michael Radford („Der Postmann“) verfilmte Hommage an den Poeten des chilenischen Volkes nun auf die Bühne des Severins Burg Theaters gebracht.
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Männerfreundschaft jenseits von Klischees
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Es ist eine poetisch-politische Erinnerung an jenen anderen 11. September vor 35 Jahren. Mit mal leiser, mal boulevardesker Komik inszeniert Jalaly eine Männerfreundschaft jenseits aller Klischees, in der sich Unschuld und Poesie, Liebe und Politik zu einer melancholisch-romantischen Grundstimmung vermischen. Auf dem Sandboden des funktionalen Bühnenbilds von Jalaly und Georg Slobodzian agiert ein spielfreudiges Quartett, das einfühlsam Sinnenfreude und politischen Hintergrund verbindet. Wunderbar Adam Hildenberg (Mario) - der kürzlich schon in Jalalys „Die Welle“ überzeugte -, wie er naive Bewunderung und zielstrebigen Vollzug des Gelernten umsetzt. Dunja Dogmanis Beatrize versteht nicht nur ihn, sondern auch das Publikum zu becircen. Und bei Marion Mainkas herrischer Mutter vermischen sich Vitalität und präzise Charakterzeichnung zu einem facettenreichen Spiel. Josef Tratnik, „Hörbuch“-Stimme der Perry Rhodan-Serie, überzeugt als Don Pablo. Und so wird dieser heiter begonnene und nachdenklich endende Theaterabend zu einem eindringlichen Erlebnis, das die Premierengäste groß feierten.
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Von ROLF-R. HAMACHER
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Kölner Illustrierte Oktober 08
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... In Gedanken an „den anderen 11. September“ hat Jalaly Skarmetas Roman auf die Bühne geholt. Ein wenig Sand auf dem Boden, ein Fischernetz, eine Stimmungsvolle Beleuchtung und vier tolle Schauspieler, viel mehr braucht der iranische Regisseur nicht, um einen Abend mit mitreißenden Mix aus politischem Theater und Poesie zu füllen. Josef Tratnik verpasst der Figur des Pablo Neruda das nötige Charisma, Adam Hindenberg zeigt den Mario als umwerfenden Mix aus unbeholfenem Mann der Tat und schwärmerisch-leidenschaftlichem Poeten, Dunia Dogmani ist eine herzerfrischend natürliche Beatrice und Marion Mainka eine absolut mitreißende, temperamentvolle lateinamerikanische Mama. So verhelfen die darsteller dem liebevoll selbstironischen Blick auf die chilenische Gesellschaft und dem bewundernden Blick auf Nerudas poetische Verse zu besonderer Wirkung. Leidenschaft liegt im Spiel, das von Gleichheit erzählt und spürbar macht, wie aus Liebe zu einem Land eine feste politische Überzeugung entsteht.
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Von Susanne Esch |
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Choices, November 08
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Eine feine Verfilmung von Scarmetas Roman schuf Michael Redford 1994, die mit insgesamt 14 internationalen Preisen ausgezeichnet wurde.
Nun machte sich das Ali Jalaly-Ensemble daran, die Geschichte um den im Exil lebenden Dichter Neruda zu Zeiten der chilenischen Diktatur auf die Bühne zu bringen.
Die politische Bedeutsamkeit von Nerudas Handeln kontrastiert auch hier mit der sehr menschlichen Beziehung zu seinem Postbiten, den er die Liebe in poetischen Worten ausdrücken lehrt.
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