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LA STRADA

Schauspiel von Gerold Theobalt - Nach dem Drehbuch von Federico Fellini

Uraufführung: August 2005 Theater Tiefrot, Köln
Regie: Ali Jalaly und Ensemble
Bühne: Thomas Klausmann
Mit: Renate Dissel, Dada Stievermann, Hans Kieseier, Julianne Ledwoch, Volker Lippmann
Foto: Weimer

... Im Theater Tiefrot inszenierte Ali jalaly zusammen mit dem Ensemble ein
emotinogeladenes Spiel. Die räumlichen Möglichkeiten dieses Kellertheaters
wurden bis zum letzten Millimeter genützt ...
Theaterkompass, 04.09.05

".... Zunächst scheint es wahrlich keine gute Idee für einen Regisseur, sich
einem Vergleich ausgerechnet mit Fellini zu stellen. Was könnte Ali Jalalys
Inszenierung von "La Strada" - Das Lied der Straße bieten, das Fellini
entgangen wäre? Etwas roh und ruppig setzt die Aufführung denn auch ein,
weit entfernt von jener "natürlichen Grazie" des Filmklassikers, die der
Prolog der Bühnenversion demutsvoll bestaunt. Doch mit der Demut hat es
rasch ein Ende, das Spiel nimmt Fahrt auf, kraftvoll und körperlich.
Genau hier liegt der Vorzug des Theaters vor dem Film, den Jalaly klug zu
nutzen weiß. Quer durch das Publikum hat man eine Bühne eingerichtet, die
unmittelbar vor den Zehenspitzen der Zuschauer beginnt. Das
Guckkastenprinzip kommt nur in jenen Szenen zum Einsatz, in denen der Große Zampano seine Show abzieht; das Theaterpublikum verwandelt sich dabei dramaturgisch in einen Straßenpulk, vor dem eben diese Show abläuft. "Das Leben" aber, die zweite Realitätsebene des Dramas, auf der Zampano und
Gelsomina nicht spielen, sondern "ganz sie selbst" sind, ereignet sich auf
Augenhöhe der Zuschauer - mit einer physischen Präsenz, die zeitweise
bedrängend wirkt, jedoch eine Unmittelbarkeit des Miterlebens ermöglicht,
wie sie wohl in glücklichen Momenten auf dem Theater, nicht aber im Film
möglich ist.


Dass Jalalys Plan aufgeht und sich nicht in guten Absichten erschöpft, ist
den Hauptdarstellern zu danken. Volker Lippmann gibt einen Zampano von
tragischer Größe, viehisch und versoffen, in sich selbst vergraben und
explosiv cholerisch. Ein gefährlicher Mann und ein einsamer - das spürt
durch die Intensität von Lippmanns Verkörperung nicht nur Gelsomina. Diese
in ihrer Naivität und freudigen Hingabe höchst delikate Figur leuchtet
Juliane Ledwoch in vielen zarten Facetten aus, einfältig und schelmisch und
lebensvoll. Aus der Anziehung und Abstoßung der beiden Kontrastfiguren
gewinnt die Aufführung ihre emotionale Kraft und Vielschichtigkeit.
Begeisterter Applaus. "
2. Sep. 2005 Kölner Stadtanzeiger

Kampf gegen die inneren Ketten
Intensive Inszenierung von Fellinis Legende "La Strada" im Theater Tiefrot

Wer in diesen Tagen zum Theater Tiefrot hinabsteigt, sollte gut zu Fuß sein.
Nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Besucher müssen eine steile
Rampe überwinden, die den oberen mit unteren Teil des Zuschauerraums
verbindet. Auf diese Weise trotzen Ali Jalaly (Regie) und Thomas Klausmann (Bühne) dem begrenzten Platz gleich 3 Spielebenen ab ...

Die bedrückende Enge zum rundum sitzenden Publikum ist keine Notlösung,
sondern dramaturgisch gewollt: Gerold Theobalts Bühnenfassung von Federico
Fellinis Welterfolg "La Strada" (1954) soll im Wortsinn unter die Haut
gehen. Keine Schweißperle, kein Gesichtsfältchen bleibt unbemerkt. Die hohe
Kunst der Akteure bezwingt diesen Exhibitionismus ohne jede Peinlichkeit.
Schließlich geht es sowohl um das Äußere wie innere Decouvrieren der
archaischen Beziehung zwischen zwei Menschen, deren Gefühlskanon das Wort
Liebe nicht kennt. ...

Lippmann ist das jähzornig, wilde Tier mit dem animalischen Sexapeal, für
den Frauen allenfalls gegenstände sind ...
Juliane Ledwoch spielt diese Wandlung unter Verleugnung ihrer Weiblichkeit
wunderbar. Wie eine kleine JEANNE DARC nimmt sie mit naiver Reinheit und
visionärem Lächeln den Kampf gegen die inneren Ketten ihres "Besitzers"
auf - und verliert.

Zampano, der seinen Herausforderer, den Seiltänzer Matto (glänzend als
Hallordi mit Tiefgang: Hans Kieseier) ermordert hat, setzt die ihm lästige
Gelsomina auf nächtlicher Straße aus. Als er Jahre später von ihrem Tod
erfährt, bricht der völlig Heruntergekommene wild schluchzend zusammen, das
einzige Wesen beweinend, das ihn je geliebt hat. Der Höhepunkt von Lippmanns sinnlich zupackender Darstellung in dieser todtraurigen Liebesgeschichte.
Kölnische Rundschau, 2. sep.2005

Theobald ist es gelungen ... die Schwermut für die Bühne sichtbar zu machen.
Ali Jalaly (Regie) erzählt die Geschichte in klaren Bildern.
Die Darsteller überzeugen durchwegs. Dies gilt im Besonderen für Volker
Lippmann (Zampano), Juliane Ledwoch (Gelsomina) und Hans Kieseier als Matto.
Das Ergebnis ist eine wunderbar rund erzählte Geschichte. ... Brandaktuell.

Theater Pur