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DIE RÄUBER


Als „Plädoyer für die Freiheit“ kamen "DIE RÄUBER" am Schauspielhaus Teheran 2012 zur iranischen Erstaufführung. Von der Presse wie vom Publikum begeistert gefeiert, wurde diese Inszenierung dann auch zu den Mannheimer Schillertagen 2013 eingeladen und kam hier "wie eine arabische Revolution" daher.

 

"… Die Produkåtion … zeigte, wie stürmisch, drangvoll und revolutionär Theater in Gottesstaat sein kann. Die beiden Gastspiele … waren denn auch dazu angetan, kräftige Risse ins westliche Weltbild zu treiben: Wer hätte gedacht, dass Theater im Gottesstaat Iran, unter der Zensur der Ayatollahs, mit Sturm, Drang und Rockmusik daherkommt? Regisseur Ali Jalaly, der sowohl im Iran als auch an Rhein und Ruhr inszeniert hat, besetzt … Karl mit zornigen jungen Frauen. Die sechs Karlottas kommen mit Kopftuch und Kapuze daher wie Gangsta-Sisters aus dem Ghetto. Sie haben Macho-Gesten drauf, zitieren „Taxi Driver" aus Hollywood und sind auch sonst eine erstaunlich verwestlichte Weiberbande. Die sechs Franzens hingegen geben als Männertypen eher tragikomische Figuren ab…"

 

Videoprojektion, aber auch Rock- und Rapmusik als Sprache des Protests zielen auf den Ton der Jugend. Die weiblichen Karl Moors singen gegen die Gesellschaftsordnung und deren einengenden Gesetze an und zeigen damit ein "Identifikationsmoment für das junge Publikum, das sich an die eigenen gesellschaftspolitischen Zustände und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Freiheit erinnert fühlt."

Fernsehbeitrag:

www.youtube.com/watch

 

Radiobeitrag:

https://soundcloud.com/ali-jalaly-ensemble/swr-radiobeitrag-regie-ali

 

Pressestimmen:

Irans verlorene Töchter proben den Aufstand

SCHILLERTAGE Sitzt das Kopftuch, kann die Revolte kommen: „Die Räuber" aus dem Iran als Gastspiel in Mannheim

 

VON STEFAN BENZ

 

MANNHEIM. 230 Jahre nach der Mannheimer Uraufführung gab es in Teheran die iranische Erstaufführung der „Räuber". Die Produktion gastierte am Freitag bei den Schillertagen in der Alten Feuerwache und zeigte, wie stürmisch, drangvoll und revolutionär Theater in Gottesstaat sein kann.

 

Sechs Frauen begehren auf gegen die verschlagene Herrschaft der Männer, gegen den Selbstbetrug des alten Patriarchats. Sie rappen zum HipHop, spielen Luft-Gitarre und singen in einer bösen Ballade davon, wie sie in einem Kloster wüten. Die Verzweiflung treibt die verlorenen Töchter Irans in Aufstand und Exzess: „.ich fühle eine Armee in meiner Faust - Tod oder Freiheit“' skandieren sie. Der Text ist von Schiller, doch die iranische Erstaufführung aus dem Teheraner Schauspielhaus kommt daher wie eine arabische Revolution. Und der alte deutsche Klassiker leuchtet - auf 90 Minuten verdichtet - aufwühlend modern.

 

Die beiden Gastspiele am Freitag bei den Mannheimer Schillertagen waren denn auch dazu angetan, kräftige Risse ins westliche Weltbild zu treiben: Wer hä te gedacht, dass Theater im Gottesstaat Iran, unter der Zensur der Ayatollahs, mit Sturm, Drang und Rockmusik daherkommt? Regisseur Ali Jalaly, der sowohl im Iran als auch an Rhein und Ruhr inszeniert hat, besetzt die Söhne des Grafen Moor jeweils sechsfach: den eifersüchtigen Intriganten Franz mit sechs Männern, den vom Vater verstoßenen Räuberhauptmann Karl mit zornigen jungen Frauen. Die sechs Karlottas kommen mit Kopftuch und Kapuze daher wie Gangsta-Sisters aus dem Ghetto. Sie haben Macho-Gesten drauf, zitieren „Taxi Driver" aus Hollywood und sind auch sonst eine erstaunlich verwestlichte Weiberbande. Die sechs Franzens hingegen geben als Männertypen eher tragi-komische Figuren ab, wenn sie um das Herz von Karls Liebchen Amalia buhlen oder sich am Ende den Strick nehmen. 'Beten können sie nicht mehr, zu scheinheilig war ihr Leben.

 

„Es gibt im Iran kein Theater für die Massen“

 

Wow, das hat schon für den westlichen Betrachter einen eindrucksvollen Druck. Wie mag das erst in einer repressiven Gesellschaft wirken? „Es war genauso wie bei der Uraufführung 1782 in Mannheim“, sagt Regisseur Ali Jalaly im ECHO-Gespräch. Die Reaktion von damals ist ja berüchtigt: "Das Theater glich einem Irrenhaus, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Tür.“ So berichtete es ein Zeitzeuge. In Teheran seien vor altem die vielen Intellektuellen im Theater Häuschen gewesen. Einfache, fromme Leute kommen erst gar nicht. „Es gibt im Iran kein Theater für die Massen. Für ein Volks-Theater, das die Generationen miteinander verbindet, brauchen wir noch Zeit", sagt der Regisseur, der die Arbeitsbedingungen im Lande als gar nicht so beengend empfindet: „im Großen und Ganzen geht es."

Die Grenzmauernder Freiheit sind eben nicht so ebenmäßig glatt und einheitlich hoch, wie es aus der Ferne scheint. Über vier Jahre hinweg hatte Jalaly die Erstaufführung der„Räuber” immer wieder beantragt, immer wieder wurde das abgelehnt, irgendwann war es dann okay. Glück? Connections? Ali Jalaly kann's nicht genau sagen. Bisweilen würden seine Schauspieler zwar auch nach der Vorsteltellung bedroht, doch die Sittenwächter lassen sie spielen. „Die Leute gucken, ob die Haare der Frauen nicht zu sehen sind." Wenn das Kopftuch richtig sitzt, kann sich das Theater mit Geschick und Chuzpe verblüffend viel erlauben.

 

Das Festival Die Mannheimer Schillertage enden am Samstag (29.)

www.schillertage.de

Darmstädter Echo, 29.06.2013

 

Schauspielhaus Teheran (IR): Die Räuber von Friedrich Schiller

Wann: 27.06.2013 -19:30 Uhr Wo: Alte Feuerwache Mannheim Brückenstr. 2 68167 Mannheim Veranstalter. Alte Feuerwache Mannheim gGmbH Im Rahmen der 17. Internationalen Schillertage Einlass 19.00 Uhr / Beginn 19.30 Uhr Ali Jalalys Inszenierung nimmt Schillers stürmisch-drängerische Forderung nach Infragestellung und Veränderung überkommener Wertvorstellungen auf. Sein Karl Moor, gespielt von sechs Frauen, protestiert gegen soziale und politische Ungerechtigkeit und will nicht Teil einer scheinheiligen Gesellschaft sein, die von Lug und Betrug beherrscht wird. In seinen Räubern werden Videoprojektion, aber auch Rock- und Rapmusik als Sprache des Protests eingesetzt. Er zielt In seiner Umsetzung auf den Ton der Jugend. Seine weiblichen Karl Moors singen gegen die Gesellschaftsordnung und deren einengenden Gesetze an -ein Identifikationsmoment für das junge Publikum, das sich an die eigenen gesellschaftspolitischen Zustände und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Freiheit erinnert fühlt. Der aus dem Iran stammende Regisseur und Autor Ali Jalaly arbeitete unter anderem für die Oper Dortmund, das Schauspiel Köln, das Theater Tiefrot Köln, und das Theater Fletch Bizzel Dortmund. Seine Inszenierungen waren zu zahlreichen Festivals eingeladen, u. a. Politik im Freien Theater (Stuttgart), Hundstage (Halle), Lessingtage (Kamen) und Theaterzwang (Dortmund). Dem Schauspielhaus Teheran ist er als Regisseur verbunden. So wurde seine Inszenierung von Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran am Schauspielhaus Teheran 2007 als beste iranische Inszenierung des Jahres ausgezeichnet und er erhielt Sonderpreise für Regie im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals Fajr-Teh. Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts Übersetzung und Inszenierung: Ali Jalaly - Bühne: Siamak Ehsai - Kostüme: Sadia Jalali Musik: Bamdad Afshar, Mohsen Kamranjam - Videoprojektion: Ashkan Chegini - Dramaturgie: Ali Jalaly, Sehar Persa - Technische Koordination Gastspiel: Kathrin Younes mit Melodie Aramnia, Sera Biglariafshar, Fahimeh Karimi Jebeli, Pantea Mirafshati, Zahra Molai, Assyeh Salmani, Fatemeh Sarerni; Ali Abdali, Toomaj Daneshbehzadi, Iman Esfahani, Reza Molai, Erfan Pahlevarii, Human Sollani, Mohammed Hossein Vallzadegan, Mehdi Zare Eintritt 14 E 1 ermäßigt 8,50 E / Vorverkauf in der cafe/bar Alte Feuerwache Kartentelefon Nationaltheater: 0621/16 80 150 Kein Einlass nach Beginn der Vorstellung) www.schillertage.de 3 weitere Termine zu diesem Event 27.06.2013 28.06.2013 28.06.2013

Quelle: kulturkurier / Kulturclub.de (Alte Feuerwache Mannheim gGmbH)

REGIOMUSIK, 27.06.2013

 

Abschluss der Mannheimer Schillertage: „Räuber" aus Wien und Teheran, „Wilhelm Tell" aus Zürich

Von Dietrich Wappler

 

Was sich heutzutage mit Schiller anfangen lässt, demonstrierten zum Abschluss der 17. Schillertage in Mannheim drei Produktionen aus dem Iran, der Schweiz und Österreich. Ein temperamentvolles Ensemble aus Teheran ließ sich vom Freiheitsdrang der „Räuber" anstecken…Am Schauspielhaus in Teheran, einem staatlich geförderten Theater, hat man sich Schillers „Räuber" im (stark gekürzten) Original vorgenommen und dabei naturgemäß ganz andere Aspekte entdeckt. Um den Gegensatz der Generationen geht es auch hier, allerdings stehen die Alten hier mehr für politische Gängelung und Unfreiheit. Gleich sechs Männer spielen Franz, sechs junge Frauen mit Kopftuch Karl. Man darf sich die Inszenierung des vor allem in Deutschland tätigen Regisseurs Ali Jalaly nun aber nicht als provokantes Polittheater vorstellen, das käme wohl an der iranischen Zensur kaum vorbei. Schillers Stoff diente ihm zu einer Art literarischem Steinbruch, aus dem sich unterschiedlichste Dinge herausbrechen lassen: Abenteuerstück, Gruselgeschichte, Liebesmelodram, Jugendstück mit Rockmusik.

Für letzteres sind die sechs munteren Mädels zuständig, die Karls Freiheitssehnsucht immer wieder lautstarken Ausdruck verleihen. Bei Aufführungen in Teheran wird dies sicher noch viel mehr als Haltung des Aufbegehrens gegen herrschende Ordnung gesehen…

 

DIE RHEINPFALZ,01.07.2013

 

28.6. 12.30 Journal am Mittag

Schillers erstes Drama, Die Räuber wurde in Mannheim 1782 uraufgeführt. Und auch aus diesem Grunde gibt es in Mannheim die „Internationalen Schillertage", nun bereits zum 17. Mal. Zu den diesjährigen Schillertagen in Mannheim kommt sogar eine iranische Theatergruppe, vom Schauspielhaus Teheran. Sie zeigen die Räuber. Erst kurz zuvor hat es mit den Visa geklappt und die Spannung war groß gestern Abend, bevor der Vorhang sich öffnete. 6 Frauen, so hieß es, sollten den Karl spielen — wie geht das in, einen Land, wo Frauen nur bedeckt auf die Straße können und von Sittenwächtern kontrolliert werden. Annette Lennartz war dabei

Abmoderation: Heute sind die Teheraner noch einmal zu sehen in der Alten Feuerwache Mannheim um 19 Uhr

 

(Zuspiel Rap)

Da springen sie auf die Bühne, 6 Frauen, unverschleiert, dafür mit frechen, roten Piratentüchern auf dem Kopf und in Hosen. Sie rappen in Farsi zu Schillers Versen: „Soll ich meinen Körper schnüren, soll ich meinen Willen schnüren — nein, schreien sie, wir haben keine Angst, Freiheit!"

Höchst aktuell ist im Iran dieser über 200 Jahre alte Text. Ali Jalaly, der Regisseur, hat ihn stark gekürzt ins Persische übersetzt, hat ganz bewusst Frauen für die Rolle des Karl ausgesucht. Schließlich begehrt Karl ja in Schillers Sturm und Drang Stück gegen die verlogenen Etikette auf, verkörpert die Suche nach dem richtigen Leben, verkörpert den Protest schlechthin. Und, sagt der Regisseur, da die Frauen seines Landes dieses Wort unterdrückt sind und sich doch wehren, deshalb habe er den Karl weiblich besetzt.

 

Einspielung Gelächter

Sie spielen Karl, den Anführer der Räuber, radikal und voller Power. Sie springen dabei auch in die Rollen aller anderen Räuber, lachen über ihre Raubzüge und Überfälle, verfluchen die Scheinheiligkeit der Kirche. Wie ist das möglich im Iran, über das der islamische Rat der Sittenwächter wacht. Ali Jalaly, inszeniert sowohl in Deutschland als auch immer wieder in seiner iranischen Heimat. 4 Jahre hatte ihm die Zensur verboten das Stück überhaupt aufzuführen. Er hat sich davon nicht beeindrucken lassen und nach kreativen Lösungen gesucht. Ende letzten Jahres erhielt er dann grünes Licht. Zwar muss das Haar der Frauen bedeckt sein, aber rote Piratentücher wurden akzeptiert. Und weil Karl ja von Frauen gespielt wird, kommt es bei der Liebesszene mit Amalia auch nicht zur unsittlichen Berührung zwischen Mann und Frau. So gab es keine Beschwerden im Staatstheater Teheran.

Karls Bruder Franz hat Ali Jalaly im Gegenzug mit 6 Männern besetzt. Eine überzeugende Idee, dem gemeinen Bruder Franz, dem Intriganten, auch so eine Armee an die Seite zu stellen, also äußerlich genauso viele Macht zu geben wie Karl, dem guten, dem Lieblingssohn des Vaters. Sie sprechen und agieren einzeln oder als Chor:

 

Einspielung Franz-Chor

Die 6 bringen viel Energie in den Raum. Mit absoluter Präsens, Leidenschaft und Witz fegen sie über die Bühne, treiben den Vater in die Verzweiflung, zwingen ihn Bruder Karl zu verstoßen und der zieht mit seinen Räubern dann durch die Wälder, wird Teil des Bösen. Hier erweist sich die sechsfach Besetzung als besonders gut. Jede einzelne Frau und jeder Mann zeigt eine andere Facette von Karls und Franzens Charakter, es gibt nicht nur Gut oder Böse. Wie in jedem von uns, stecken auch in den beiden Brüdern Karl und Franz jede Menge Abstufungen.

 

Zuspiel aus Stück Freiheit Freiheit

Freiheit, Freiheit - Das Stück wurde im Iran schon 35 mal aufgeführt und dort so begeistert gefeiert wie gestern Abend bei den Mannheimer Schillertagen. Die jungen Leute aus Teheran sind heute optimistisch. Die Wahl des Moderaten Hassau Rohani, weckt Hoffnung. Er will mehr Bürgerrechte einräumen und sogar schnellere Netze für das Internet zulassen. Was für eine Kraft, welcher Veränderungswille in den jungen Menschen steckt, das haben die 12 Künstler aus Teheran auf der Bühne überzeugend vermitteln können.

SWR, 28.06.2013