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INSZENIERUNGEN - BARFUSS NACKT HERZ IN DER HAND

Theater im Bauturm 1996
Ausstattung: Stefan dan Solobodian, Mit: Andreas Windhuis (Vedat Erincin)
Theaterstückverlag München Solo (1 H)


1995 Uraufführung in der Schweiz
Landespreis für Volkstheaterstücke 1999
Theater Oberhausen/Welttheater bekam den 1. Preis beim "Theaterzwang"
Teilnahme an mehreren Theaterfestivals u.a. Festival "Politik im freien Theater" in Stuttgart und "Hundstage" in Halle.

Ein Theaterstück macht Karriere.
Die Frage, ob sich ein iranischer Theatermacher in Deutschland durchsetzen kann, hat der Kölner Ali Jalaly in beeindruckender Form bewiesen. Sein Stück, "Barfuß ... " mausert sich zum Dauerbrenner. Theater Pur 6

Mit einer gewissen Naivität erzählt Ali seine Gedanken, seine Geschichte. Sehr geprägt von seinem eigenen sozialen und kulturellen Hintergrund spiegelt er deutsche Verhältnisse wieder. Im Zentrum seiner Reflexion steht seine Familie, seine Arbeitskollegen und eine alte Frau.

Seit 25 Jahren lebt Ali nun in Deutschland, hat sein eigenes Häuschen und ist bei seinen Kollegen beliebt. Für Ali ist die Familie einer der wichtigsten Punkte im Leben ("Ein richtiger Mann ist drei."). Dieses Glück wird ihm zerstört, ein Brandanschlag auf sein Haus raubte dem fassungslosen Ali seine Frau und einen Sohn.

Die unvoreingenommene Art, mit der Ali das Geschehen berichtet, macht betroffen, obwohl Ali weder anklagt noch in Hasserfüllte Parolen gegen die Mörder seiner Frau und seines Sohnes verfällt. In einem ganz eigenen Sprachduktus berichtet Ali von seiner Welt. Er erzählt von traurigen und von lustigen Momenten, und damit wird deutlich, wie sehr Ali Mensch ist.

Auszüge aus dem Grußwort zur 6. Gedenkveranstaltung des Solingener Brandanschlags.

Ignatz Bubis: "Das Theaterstück "Barfuß Nackt Herz in der Hand", das unmittelbar nach dem Pogrom in Solingen von dem aus Teheran stammenden und in Köln lebenden Ali Jalaly geschrieben wurde, ... ist ein Monolog voller Kontraste, der das Publikum nicht nur in ein Wechselbad von Gefühlen eintaucht sondern auch Alis erster Versuch ist, mit dem schrecklichen Geschehnissen der Brandnacht fertig zu werden, sich ein letztes Mal von seiner Familie zu verabschieden aber gleichzeitig sich zu erinnern und nicht zu vergessen.

Diese Erinnerung durch das Stück, die nicht anklagend ist, weil sie keine Unschuldigen schuldig spricht, ist ganz besonders wichtig. Nicht nur, weil sie die Verlorenen in unseren Herzen lebendig hält, sondern auch das einzig wirksame Mahnmal gegen die Verbrechen der Fremdenfeindlichkeit ist."


Jan Knopf
(Prof. Dr. Jan Knopf ist Leiter der Arbeitsstelle Berthold Brecht im Institut für Literaturwissenschaft der Uni Karlsruhe)

Laudatio auf das Volksstück "Barfuß Nackt Herz in der Hand" von Ali Jalaly


Wie wird man mit den Erlebnissen fertig, mit denen eigentlich nicht fertig zu werden ist? Der in Deutschland als Müllmann und Straßenkehrer arbeitende Türke Ali Delir hat durch einen Brandanschlag, den Skinheads auf sein schwer erwirtschaftetes Haus verübt haben, außer seiner Tochter Maryam seine gesamte Familie verloren. In einem monologischen Rückblick lässt er die Ereignisse und ihre Folgen nochmals an sich vorüberziehen.

Das Stück lebt vor allem durch den fremden Blick der Hauptfigur, der als der "normale" eingeführt ist. Ali verlangt -"Wir andere Religion" - wie selbstverständlich, dass seine abweichenden Überzeugungen von seinen deutschen Mitbürgern anerkannt oder zumindest toleriert werden, was natürlich immer wieder zu Kollisionen führen muss.
Es zeichnet jedoch das Stück aus, den Culturclash nicht stur und in allem Ernst zu thematisieren, sondern trotz der Schläge, die Ali keineswegs als Schicksal heimgesucht haben, von beiden Seiten her zu relativieren. So setzt Ali einerseits zwar durch, dass der zukünftige deutsche Ehemann seiner Tochter beschnitten wird, andererseits aber muss er seinen Tribut zollen, wenn er, der Hunde hasst wie die Pest und ihre Halter am liebsten aufhängen möchte, den Hund, der seinen Sohn beim Brand (zunächst) gerettet zu haben schien, quasi als Sohnersatz annimmt. Oder wenn Ali, der Weinen nur Frauen zubilligt, denn doch weint, wenn er sich des Anschlags erinnert.

Trotz seiner politischen Hintergrundthematik rechnet das Stück nicht mit den bundesdeutschen Zuständen ab. Den (scheinbar) typisch deutschen Figuren stehen andere gegenüber, die das Bild nicht nur relativieren, sondern außer Kraft setzen, allen voran die alte Frau, die von ihren Kindern verlassen - sie kommen nur pflichtgemäß zu Weihnachten -, Ali ihr Haus und, wie abschließend angedeutet wird, ihre Liebe schenkt.

Obwohl es sich um einen Monolog handelt, gelingt es dem Autor Ali Jalaly, die Vielzahl der imaginierten Figuren lebendig werden zu lassen und im mangelhaften Deutsch seiner Hauptfigur - das keineswegs das ihres Autors ist - witzige und pointenreiche Sprachspiele zu schaffen, die dem Missverständnis und der Verständigung gleichermaßen dienen. Über allem liegt - trotz aller Bitternisse - eine Haltung von Freundlichkeit, von der Walter Benjamin einmal gesagt hat, dass sie zum Minimalprogramm der Menschlichkeit gehöre. Das Stück ist sehr menschlich - auch wenn es vom Minimalprogramm für Humanität noch weit entfernt sein muss.


Pressespiegel

"Kann sich ein iranischer Theatermacher in Deutschland durchsetzen? Der Wahlkölner Ali Jalaly hat es bewiesen. Als Theaterautor ist er anerkannt, viele Regiearbeiten waren Erfolge. In "Barfuß..." schildert er mit schwarzem Humor, wie ein Türke sich mit den Deutschen ein neues Stück Heimat schafft..." Express

...ein gelungener Text... Jalalys Kunst zeigt sich darin, dass er seinen Ali nie die Stimme zur Anklage erheben lässt, sondern die antirassistische Tendenz des Stückes aus Konfrontation von unverständlicher Bösartigkeit mit liebenswürdiger Menschlichkeit entstehen lässt..." Berner Zeitung

"Ein Theaterereignis... eine Groteske, die unter die Haut geht, in ihrer Schlichtheit erschütternd, ihrer Ueffsicherheit beschämend. Ohne Klage und ohne Anklage zwei Welten, zwei Kulturen und zwei Religionen aufeinanderprallen lässt, die so unversöhnlich sein wollen und so versöhnlich sein könnten: ... so flehen die poesievollen Worte dieses Monologes wie zärtlich leise Lieder." WAZ

"...Auf eindrucksvolle Art und Weise schildert Ali seine Erlebnisse und macht auf die gegensätzlichen Erfahrungen aufmerksam..." Dülmener Zeitung

"Wenngleich Alis Gedanken immer wieder zum Tod von Frau und Sohn zurückkehren, bleibt er nicht in seiner Trauer gefangen, sondern kehrt zu seinen deutschen Freunde und türkischer Lebensfreude zurück. Eben darin liegt die Stärke des Stücks. Es macht betroffen, erschöpft sich aber nicht in Betroffenheit..." Kölner Stadt-Anzeiger

"...ein Mensch voller Lebensfreude und Freundlichkeit, zutiefst verletzt. Doch an keiner Stelle schlägt die Verzweiflung um in Hass, Ali will keine Gräben aufreißen..." Kölnische Rundschau

"...In beeindruckender Innensicht - als teile Jalaly das Schicksal seines Anti-Helden wie Sancho Pansa das des Don Quichotte - entblättert sich Schicht für Schicht Alis seelische Verletztheit..." Wochen Anzeiger Oberhausen

"ein Monolog voller Kontraste, der das Publikum in ein Wechselbad von Gefühlen eintaucht... ein poetisches Werk... eine Welt voller Menschlichkeit..." Berner Woche

"...Tobend, lachend, weinend offenbart sich... ein verwirrter Seelenzustand zwischen Trauer, Stolz, Freude, Glaubenszweifel, Verbundenheit... Ein Stück, das weder anklagt noch Gräben aufreißt. Im Gegenteil: Ali kann sympathischer kaum sein..." Westdeutsche Zeitung

"... Tiefgreifend rührt Jalaly an eines der größten gesellschaftlichen Probleme des modernen Deutschland - Ablehnung Fremden gegenüber, die zuweilen in blinden Hass auflodert... " Märkische Zeitung

"In der Regie des Autors ist ein funkelndes Verwirrspiel vieler Facetten, ein Jonglierkunstwerk mit Rätseln und vermeintlichen Widersprüchen entstanden... Drastische, schlagleichternde Komik wechselt urplötzlich mit kindlich raffinierter Logik..." Kölner Stadt-Anzeiger

Monologstück, das sich weder zum anklagenden Mahnmal aufspielt, noch in multikulturellen Solidaritätskundgebungen verloren geht... In Alis scheinbar so naiven Blick auf die Welt liegt die gesellschaftskritische Kraft dieses Textes, der zwischen Komik und Entsetzen changierend, Schmerz spürbar werden lässt..." Kölner Stadt Revue

"... Mit intelligentem Humor meistert Ali den kulturellen Spagat in fremder, manchmal befreundlicher Umgebung... Sorgsam differenziert er zwischen aufkeimender Aggression und hilfloser Ohnmacht..." NRZ

"...Betroffenheit und Entsetzen fanden bisweilen ein Ventil im befreienden Gelächter... Der Zuschauer hat Ali in sein Herz geschlossen. Und geht beschämt, dass solche Geschehnisse möglich sind..." Wolfsburger AZ

"... starker Monolog, sensibles Thema, kein Vorwurf, keine Anklage, eine Portion Galgenhumor, um das unfassbare überhaupt ertragen zu können..." Dresdener Land Zeitung